Organspende – Leben retten über den Tod hinaus
Organspende – Leben retten über den Tod hinaus

Das Thema Organspende begegnet uns im Laufe des Lebens immer wieder – ob in den Medien, in Gesprächen mit Familie und Freunden oder durch persönliche Betroffenheit. Für den Solinger Bestatterverband ist es wichtig, umfassend über dieses Thema zu informieren, da es nicht nur Fragen nach Leben und Tod betrifft, sondern auch ethische, medizinische und organisatorische Aspekte umfasst. Im Folgenden erfahren Sie alles Wissenswerte rund um die Organspende, die rechtlichen Grundlagen, den genauen Ablauf und die Bedeutung für Angehörige und Hinterbliebene.
Was ist eine Organspende?
Eine Organspende bedeutet, dass nach dem Tod eines Menschen lebenswichtige Organe entnommen werden, um sie anderen Patienten zu übertragen, die dringend auf eine Transplantation angewiesen sind. Damit bietet eine Organspende die Möglichkeit, das Leben eines anderen Menschen zu retten oder dessen Lebensqualität maßgeblich zu verbessern.
Lebendspende vs. postmortale Organspende
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der Lebendspende und der postmortalen Organspende:
- Lebendspende: Hier spendet eine lebende Person ein Organ oder einen Teil eines Organs, beispielsweise eine Niere oder einen Teil der Leber. Voraussetzung ist, dass dies keine gravierenden gesundheitlichen Nachteile für den Spender mit sich bringt. Häufig erfolgt die Lebendspende innerhalb der Familie oder enger Freundschaften.
- Postmortale Organspende: Dies bedeutet, dass die Organe erst nach dem Tod entnommen werden. Voraussetzung hierfür ist die Feststellung des unumkehrbaren Hirntods des Spenders. Diese Form der Organspende ist die häufigere Variante und steht im Mittelpunkt dieses Beitrags.
Gesetzliche Grundlagen der Organspende in Deutschland
Die Organspende wird in Deutschland durch das Transplantationsgesetz (TPG) geregelt, das klare Vorgaben hinsichtlich der Abläufe, Rechte und Pflichten aller Beteiligten enthält. In Deutschland gilt derzeit die sogenannte Entscheidungslösung. Das bedeutet, jeder Mensch wird regelmäßig aufgefordert, eine persönliche Entscheidung zur Organspende zu treffen, z.B. durch einen Organspendeausweis.
Entscheidungslösung vs. Widerspruchslösung
Deutschland verfolgt, anders als viele andere Länder, nicht die Widerspruchslösung (bei der jeder automatisch Spender wäre, sofern er nicht explizit widerspricht), sondern fordert die bewusste Entscheidung eines jeden Bürgers ein. Wenn keine Entscheidung getroffen wurde, werden die Angehörigen im Todesfall nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen gefragt. Umso wichtiger ist es, die persönliche Haltung zu Lebzeiten klar festzuhalten und gegebenenfalls mit den Angehörigen zu besprechen.
Organspendeausweis und Organspenderegister
Um die persönliche Entscheidung zur Organspende eindeutig festzuhalten, gibt es zwei zentrale Instrumente:
- Der Organspendeausweis: Ein einfaches Dokument, das man immer bei sich trägt. Hier lässt sich klar festhalten, ob man einer Organspende zustimmt, ablehnt oder diese Entscheidung einer bestimmten Person übertragen möchte.
- Das Organspenderegister: Ein bundesweit zentrales Register, in dem die Entscheidung elektronisch gespeichert wird. Medizinisches Personal kann im Ernstfall schnell darauf zugreifen.
Diese Instrumente bieten Klarheit und sorgen dafür, dass im Ernstfall die Entscheidung dem eigenen Willen entspricht und die Angehörigen entlastet werden.
Ablauf einer postmortalen Organspende
Hirntodfeststellung
Die Voraussetzung für eine Organspende ist die eindeutige Feststellung des Hirntods, also des irreversiblen Ausfalls aller Hirnfunktionen. Diese Diagnose erfolgt durch zwei unabhängige Ärzte, die nicht an der späteren Organentnahme beteiligt sein dürfen. Der Hirntod gilt medizinisch und rechtlich als Zeitpunkt des Todes, obwohl der Körper durch Maschinen zunächst weiterhin künstlich am Leben erhalten wird.
Organentnahme (Explantation)
Nachdem der Hirntod festgestellt wurde und die Zustimmung zur Organspende vorliegt, erfolgt die sogenannte Explantation, die Entnahme der Organe. Dabei arbeiten spezialisierte medizinische Teams sorgfältig und mit höchster Achtung vor dem Verstorbenen. Die Würde und Integrität des Körpers bleiben gewahrt.
Transplantation und Organvermittlung
Die Vermittlung der entnommenen Organe erfolgt zentral durch Eurotransplant. Organe werden nach Dringlichkeit, medizinischer Eignung und Wartezeit der Patienten zugewiesen. Unmittelbar nach der Explantation werden die Organe in spezialisierten Zentren transplantiert, um den Empfängern ein neues Leben zu schenken.
Welche Organe können gespendet werden?
Folgende Organe können gespendet werden:
- Herz
- Lunge
- Leber
- Nieren
- Bauchspeicheldrüse (Pankreas)
- Dünndarm
Darüber hinaus können auch Gewebe wie Haut, Hornhaut der Augen, Herzklappen oder Knochen gespendet werden. Diese Gewebespenden sind zeitlich flexibler und können auch noch einige Zeit nach dem Tod entnommen werden.
Organspende und Bestattung
Ein wichtiger Aspekt für Angehörige ist oft die Sorge, dass eine Organspende den Abschied beeinträchtigen könnte. Es gilt jedoch klarzustellen: Eine Organspende beeinträchtigt in keiner Weise die Möglichkeit einer würdevollen Abschiednahme oder einer gewünschten Bestattungsform. Der Körper wird nach der Organentnahme so versorgt, dass eine Aufbahrung oder offene Abschiednahme weiterhin möglich bleibt.
Emotionale und ethische Aspekte der Organspende
Das Thema Organspende wirft bei vielen Menschen ethische und emotionale Fragen auf. Es berührt Themen wie Selbstbestimmung, Nächstenliebe und die Bedeutung des menschlichen Körpers nach dem Tod. Gespräche mit Angehörigen und intensive Auseinandersetzung mit dem Thema helfen dabei, eine bewusste und tragfähige Entscheidung zu treffen.
Gedenkorte und Trauerarbeit für Angehörige von Organspendern
Für Angehörige ist es oft hilfreich, wenn die Entscheidung des Verstorbenen, anderen Menschen das Leben zu schenken, gewürdigt wird. Inzwischen gibt es an einigen Orten spezielle Gedenkstätten und Denkmäler für Organspender, an denen Angehörige Trost finden und die Erinnerung lebendig halten können. Bestatter können eine wertvolle Unterstützung sein, indem sie Angehörigen bei der Trauerarbeit zur Seite stehen und passende Rituale oder Trauerfeiern anbieten.
Rolle der Bestatter im Kontext der Organspende
Bestatter spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Angehörigen in einer emotional herausfordernden Situation beizustehen. Sie informieren über die Abläufe rund um die Bestattung nach einer Organspende, unterstützen bei organisatorischen Fragen und begleiten sensibel den Trauerprozess.
Bedeutung der Entscheidung zur Organspende
Eine bewusste Entscheidung zur Organspende ist ein Akt der Solidarität und Mitmenschlichkeit. Jeder potenzielle Organspender gibt anderen Menschen die Chance auf neues Leben und schenkt Hoffnung. Umgekehrt ist es wichtig, jede persönliche Entscheidung – ob für oder gegen eine Organspende – zu respektieren und wertzuschätzen.
Abschließende Gedanken und Empfehlung
Der Solinger Bestatterverband empfiehlt, sich frühzeitig und umfassend über das Thema Organspende zu informieren und eine bewusste Entscheidung zu treffen. Der offene Austausch in der Familie über dieses sensible Thema ist von großer Bedeutung, um im Ernstfall Unsicherheiten und zusätzliche Belastungen zu vermeiden. Gerne unterstützen die Mitglieder des Verbandes dabei, indem sie Beratungen und Informationsmaterial zur Verfügung stellen.
Organspende rettet Leben – informieren Sie sich und treffen Sie eine Entscheidung, die zu Ihnen passt.